Selbstbestimmt Studieren

Von Michael Voit (geb. Hartl)
3. Januar 2021

Eine meiner Triebfedern im Leben war immer, Verantwortung zu übernehmen. Gerade auch für mich selbst und für die Folgen meiner Handlungen. Und ein wenig mitzugestalten, wie unser Leben und die Welt in Zukunft aussehen werden. Daher freue ich mich jedes Mal sehr, wenn ich Menschen oder Projekte treffe, die aktiv den Wandel und die Zukunft in die Hand nehmen und gestalten.

Ein solches Projekt ist die Bildungsinitiative „Selbstbestimmt Studieren“, die ich über Charlotte von Bonin kennenlernen durfte. Eine Gruppe von Studierenden und Dozierenden organisieren einen Studiengang zu Philosophie und Gesellschaftsgestaltung selbst – von den Seminarinhalten, über die Prüfungsleistungen bis hin zu neuen Bildungsformaten.

Michael Voit: Hallo Charlotte! Stell Dich doch bitte kurz vor und verrate uns, wie Du zu „Selbstbestimmt Studieren“ gekommen bist.

Charlotte von Bonin: Hallo! Mein Name ist Charlotte von Bonin. Ich würde mich als Klimaaktivistin und Studentin bezeichnen. Zur Studiengangsinitiative „Selbstbestimmt Studieren“ bin ich durch eine Mitaktivistin gekommen, die wie ich auch bei Fridays for Future aktiv ist.

Michael Voit: Studieren nicht alle Menschen selbstbestimmt? Es suchen sich ja alle jeweils aus, was sie interessiert, oder?

Portrait der Interviewpartnerin Charlotte von Bonin

Charlotte von Bonin: Beim normalen Studium steht zwar am Anfang die Entscheidung für ein bestimmtes Thema. Dennoch hört an diesem Punkt die Selbstbestimmung schon auf: Ich kann mit meinen eigenen Fragen nicht frei die Seminare mitgestalten und auch bei den methodisch-didaktischen Studienformaten habe ich kein Mitspracherecht. Das wollen wir anders machen. Uns geht es nicht nur darum, selbstbestimmt die Inhalte zu wählen und ein eigenes Bildungsziel zu bestimmen, sondern wir wollen lernen, Verantwortung für unsere Bildung zu übernehmen. Das heißt: Wir organisieren unsere Seminare selbst, erarbeiten gemeinsam mit den jeweiligen Dozierenden einen Seminarplan und legen ein besonderes Augenmerk auf Fähigkeitenbildung.

Von der Aufgabe der Bildung – und was heute schief läuft

Michael Voit: Wie sehen denn nun konkret Eure Kritikpunkte am aktuellen Bildungssystem aus – und wie macht Eure Initiative das anders?

Charlotte von Bonin: Wir sehen, dass das heutige Bildungssystem rückständig ist, und dass die Krisen unserer Zeit eine Folge davon sind. Es entstammt einem Denken, das zum Beispiel persönliche Bildung und Entwicklung hinter Arbeitsmarktorientierung zurückstellt. Was wir deswegen in der momentanen Bildungslandschaft finden, ist leider weit weg von freier Menschenbildung und dem Studium als Zeit für persönliche Entwicklung. Stattdessen sehen wir in der Bildung oft Konkurrenz statt Kooperation, Leistung und Selektion statt gemeinsamer Arbeit an existenziellen Fragen, Verschulung und Verwirtschaftlichung statt ständiger Weiterentwicklung für ein zukunftsfähiges Bildungssystem. Ich würde sagen, dass die institutionalisierte Bildung unserer Zeit sogar den Weg in die Zukunft blockiert.

„Wir sehen, dass das heutige Bildungssystem rückständig ist, und dass die Krisen unserer Zeit eine Folge davon sind.“ – Charlotte von Bonin

Was wir anders machen? Mit unserer Vision einer menschengerechten Bildung nehmen wir unser Anliegen selbst in die Hand und organisieren uns einen selbstbestimmten Studiengang auf Bachelorniveau.

Das kann man sich so vorstellen: Wir entwickeln im Gespräch mit unseren Dozierenden die Seminarinhalte. Außerdem haben wir unseren Modulplan selbst verfasst. Während des Studierens experimentieren wir mit freieren und neueren Arten von Prüfungsleistungen. Durch die selbstständige Organisation des Studienganges können wir immer wieder neue Bildungsformate testen und die unsere gelernten Projektmanagement-Tools direkt in der Organisationsarbeit anwenden.

Auf dem Weg wollen wir lernen, die Welt fragend zu begreifen und mit Verantwortung und Weitblick unsere Bildung zu gestalten.

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„Auf dem Weg wollen wir lernen, die Welt fragend zu begreifen und mit Verantwortung und Weitblick unsere Bildung zu gestalten.“ – Charlotte von Bonin

Verantwortung übernehmen und Systeme umgestalten

Michael Voit: Ihr wollt Verantwortung für Eure Bildung übernehmen – und kommt zum Teil aus dem Umfeld von Fridays for Future. Also einer Bewegung, die Verantwortung für das Klima oder eben Eure Zukunft übernehmen will. Ist das Thema „Verantwortung“ ein starker Motivator für Dich oder auch Euch als Gruppe?

Charlotte von Bonin: Ja, mein Engagement bei Fridays for Future Stuttgart war für mich sogar einer der ausschlaggebenden Gründe, warum ich mich für den Studiengang „Philosophie und Gesellschaftsgestaltung“ entschieden habe. Die Menschen, welche mit mir den Studiengang aufbauen, sind zwar sehr unterschiedlich und doch teilen wir ein Anliegen ganz besonders: Wir wollen zu einer lebenswerten, zukunftsfähigen Gesellschaft beitragen, gemeinsam die Herausforderungen unserer Zeit angehen und in unseren jeweiligen Handlungsspielräumen die Verantwortung übernehmen.
Dazu gehört in unseren Augen, dass wir lernen, was es heißt, die eigene Bildung, und somit gewissermaßen auch die eigene Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Während meines ersten Studienjahres habe ich bemerkt, wie tiefgreifend meine persönlichen Fragen aus dem Aktivismus-Alltag auch im Studium ihren Platz finden:

Vor Kurzem haben wir zum Beispiel das Thema Klimaethik angeschaut mit der Frage, wie es um unsere globale und intergenerationelle Verantwortung steht. Was sollen wir tun im Hinblick auf die Bedrohung durch die Klimakrise?

Doch unsere Auseinandersetzung mit dem Thema Verantwortung ist nicht allein theoretisch: In der praktischen Organisation schauen wir auch immer wieder darauf, was es heißt, gemeinsam einen ganzen Studiengang zu tragen. Wir haben die Möglichkeit, unsere Fragen nach der kollektiven und individuellen Verantwortung auch direkt an dem Studiengangsprojekt zu erproben und daran zu lernen.

Foto eines Boards mit Notizen zum Thema "Visionen für unsere Initiative 2025"

Michael Voit: Warum gibt es Menschen, die nicht so stark diesen Drang haben, Verantwortung zu übernehmen? Ist für die das bestehende System der Universitäten und festgeschriebenen Studiengängen vielleicht doch ganz passend?

Charlotte von Bonin: Ich denke, zuerst einmal haben alle Menschen unterschiedliche Lernbedürfnisse. Manche brauchen tatsächlich ein bisschen Druck von außen, um sich länger an ein Thema zu setzen. Im letzten Jahr habe ich gelernt, dass Verantwortung auch ganz schön anstrengend ist. Da kann ich gut verstehen, wenn Menschen einen etwas ruhigeren Bildungsweg wählen, wo sie nicht ständig selbst entscheiden und verantworten müssen. Dennoch leben wir in einer Demokratie, wo es darum geht mitzudenken, eigene Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung dafür auch zu übernehmen. Und wo sollen wir das lernen, wenn nicht in der Schule und Hochschule?

Zudem ist für viele junge Erwachsene der Leistungsdruck von außen, und ein fester, vorgeschriebener Weg hinderlich. Sie verlernen, aus eigenem Antrieb zu lernen, kreative, neue Wege zu gehen und ihrer Neugierde zu folgen. In Krisenzeiten brauchen wir aber kreative Lösungen und mutige Menschen, die neue Wege gehen.

Sich selbstbestimmt zu bilden heißt für mich nicht, auf der grünen Wiese zu liegen und sich zu entspannen. Ich habe ein Anliegen in dieser Welt: Zu einer Veränderung in Richtung des Guten Lebens für Alle beizutragen, und für mehr Gerechtigkeit einzustehen. Und das ist ein Haufen Arbeit und auch viel Verantwortung, die da auf mich wartet.

„Ich habe ein Anliegen in dieser Welt: Zu einer Veränderung in Richtung des Guten Lebens für Alle beizutragen, und für mehr Gerechtigkeit einzustehen.“ – Charlotte von Bonin

So sieht Lehren und Mitgestalten in der Studiengangsinitiative „Selbstbestimmt Studieren“ aus

Michael Voit: Auf Eurer Website selbstbestimmt-studieren.org konnte ich lesen, dass ihr mit Euren Dozierenden neue Formate des Lehrens und Lernens realisiert. Was genau darf ich mir darunter vorstellen?

Charlotte von Bonin: Vor dem Seminar sammeln wir unsere Fragen und schicken sie an die jeweilige Dozierende. Auf dieser Basis wird ein Vorschlag erarbeitet, den wir alle anschauen und dann Feedback an unsere*n Dozent*in geben.

Um uns philosophischen Inhalten nicht nur auf theoretischer Ebene zu nähern, legen wir großen Wert darauf, eigene Erfahrungen und Übungen mit einzubinden. So machen wir in der individuellen Vorbereitung und während eines Philosophie-Seminares Wahrnehmungsübungen oder integrieren ethische Theorien direkt in unseren Alltag.

Bei den Seminaren übernehmen wir als Studierende auch Slots, in denen wir unsere eigenen Fähigkeiten mit der Gruppe teilen.

Foto einer kleinen Gruppe von Studierenden unter einem offenen Zeltdach im Freien.

Michael Voit: Ihr schreibt auf der Website auch, dass bei Euch die Studierenden und die Dozierenden gemeinsam die Bildung gestalten – und dabei die verschiedenen Qualitäten berücksichtigt werden?

Charlotte von Bonin: Wir als Studierende bringen unsere Ideen, unsere Fähigkeiten, unsere Neugierde und unsere eigenen Fragen mit in die Seminargestaltung, während die Dozierenden ihre Erfahrungen mit Seminaren und ihr Wissen und ihre Begeisterung beitragen. So können wir unsere Fragen stellen und die Dozierenden helfen uns dabei, dass wir nicht nur das erfragen, was wir kennen, sondern über unseren Tellerrand hinausblicken können.

Gruppenfoto der aktuell im Studienprojekt "Selbstbestimmt Studieren" Studierenden.

Anders studieren – so kann es gelingen

Michael Voit: Nun sagt der Name, dass es um selbstbestimmtes studieren geht – aber es gibt lediglich den Studiengang „Philosophie & Gesellschaftsgestaltung“. An wen richtet ihr Euch also und ist das Studieren bei Euch für alle offen?

Charlotte von Bonin: Im Moment gibt es den Studiengang, den wir als Gruppe im Oktober 2019 begonnen haben zu erproben. Wir haben durch unser Interesse, die Welt und uns selbst zu gestalten, den Modulplan entsprechend geprägt. Doch für die Zukunft besteht der ausdrückliche Wunsch, das Bildungsangebot noch zu erweitern und noch weitere Seminare zu organisieren. Aktuell richtet sich unser Bildungsangebot an alle Menschen, die sich vertieft mit Fragen nach dem Menschsein, nach den eigenen Fähigkeiten und den Möglichkeiten der Weltgestaltung auseinandersetzen wollen. 

Foto einer Studierenden, die auf vielen Büchern liegt und ein Buch liest.

Michael Voit: Ist es aus Deiner Sicht auch an normalen Unis möglich, selbstbestimmt zu studieren? Und wie kommt man Deinem Ideal innerhalb der heute üblichen Art von Studium möglichst nah?

Charlotte von Bonin: Leider habe ich nur wenige Erfahrungen mit dem aktuell normalen Studieren selbst gemacht. Für mich war zu der Zeit, als ich mich entschied, ob ich studiere schon klar: Ich will Gesellschaftsgestaltung studieren und mehr darüber lernen, wie ich die Welt verändern kann.

Andere aus unserer Initiative haben schon ein normales Studium hinter sich oder sind noch daran. Sie haben sich genau deswegen noch einmal für unseren Studiengang entschieden. Weil das normale Hochschulstudium ihren Anliegen an eine zukunftsfähige Bildung nicht gerecht wird.

Michael Voit: Welche konkreten Schritte kann ich setzen, wenn ich selbstbestimmt studieren will?

Charlotte von Bonin: Am Anfang steht eine bewusste Entscheidung: WIE, WO und mit WEM möchtest du studieren? Als ich vor einem Jahr mit dem Studieren begonnen habe, war ich sehr unsicher wie das alles zu bewältigen ist. Wo kann ich mit meinen eigenen Fragen anfangen zu lernen? Welche Seminarabfolgen sind sinnvoll? Da hat mir die Gruppe geholfen, mich zu orientieren und mich meinen Lernbedürfnissen zu nähern.

Drei Studierende der Studien-Initiative Selbstbestimmt Studieren beim Lernen und Diskutieren.

Aber es gibt noch viele andere Initiativen, die auch mit der Frage wie eine zukunftsfähige Bildung geht, unterwegs sind. Und da alle Menschen unterschiedliche Lernbedürfnisse haben, ist es in meinen Augen auch sehr wichtig, dass ein diverses Studienangebot existiert.

Gute Startpunkte, um Dir hier einen Überblick zu verschaffen, können zum Beispiel die Initiativen Die Wandelreise, Project Peace, die Akademie für angewandtes gutes Leben, Selbstbestimmt Studieren e.V., NextGEN, die Wanderuni, der Bachelor of Being sein.

Ein guter Überblick über Bildungsinitiativen in Deutschland findet sich beim Verband für freie Bildungsinitiativen.


Wie sieht zukunftsfähige Bildung für Dich aus? Und welche Schritte kannst Du gehen, um Dich hier einzubringen? Verrate uns Deine Ideen oder Projekte dazu in den Kommentaren!

6 Gedanken über “Selbstbestimmt Studieren

  1. Markus

    ich finde es prinzipiell gut, wenn Menschen von sich aus aktiv werden und etwas zum Besseren wenden wollen.
    Beim Lesen des Artikels hat sich mir allerdings die Frage aufgedrängt, daß diese Art zu studieren wohl nur für einige Studienrichtungen möglich ist. Für etwa einen angehenden Arzt oder Bautechniker – Berufe mit einer äußerst geringen Fehlertoleranz in der Praxis – wäre dies meines Erachtens fatal.
    Und noch was ist mir aufgefallen. Wenn ich die Seminarinhalte selbst wählen/mitbestimmen kann und auch die Prüfungen – besteht dann nicht die Gefahr, es sich allzu leicht zu machen?

    Wenn ich eine Tageszeitung lese, stoße ich auf auch Artikel, die nicht unbedingt zu meinem persönlichem Umfeld passen, dies kann auch positiv sein. Im Internet hält man sich in der Regel nur in seiner eigenen Blase auf – andere Sichtweisen gibt es meist nicht. Dieser Eindruck drängt sich mir hier ein wenig auf – ein „Feel good“- Ansatz und eine eigene Blase.

    1. Charlotte von Bonin

      Du hast recht, wenn du sagst, dass unsere Form des Studierens nur für einige Fachrichtungen möglich ist. Es ist auch nicht unser Anliegen, die gesamte Hochschullandschaft nach unserem Konzept auszurichten. Doch es ist durchaus ein Anliegen, eine größere Diversität in den Formen des Studierens anzubieten, weil Menschen ja eben unterschiedlich sind.

      Und zu deiner zweiten Anmerkung ob denn nicht die Gefahr bestehe, es sich allzu leicht zu machen:
      Dafür haben wir unsere Dozierenden, die uns Feedback geben und beraten. Die helfen uns, nicht nur das wissen zu wollen, was wir kennen, sondern eben über den Tellerrand zu blicken und auch Themen anzuschauen, die nicht in unserem Blickfeld – oder eben der „Feel Good Blase“ – sind.

  2. Jürgen

    Der Ansatz ist interessant. Es gibt zu viele Studiengänge, welche entweder veraltet, sinnlos oder Zeitverschwendung sind.

    Es ist natürlich wichtig, mit neuen Ideen, Strukturen die Zukunft klarer zu machen und auch darauf reagieren zu können.

    Nur sehe ich bei besagtem Studiengang nicht, wie man A) davon leben kann, B) wie man diesen Studiengang verifizieren soll (was kann dieser Mensch) und C) ist es für mich nicht der Weg, dass jeder für sich selbst um des Studierens willen studiert.

    Denn unserer Gesellschaft fehlen sicher nicht die Studierten, sondern die breite Basis an Handwerk und echtem Beruf.

    1. Charlotte von Bonin

      Hallo Jürgen,
      Deine Fragen sind berechtigt, auch wir stellen die uns immer wieder.
      Hier sind unsere Überlegungen:
      a. Davon leben: Im Projektmanagement lernen wir Tools, die sich überall in der Arbeitswelt gut einbringen lassen. Mögliche Berufsbilder gehen in Richtung Bildung, NGOs, Politik etc…
      b. Schlüsselkompetenzen der Absolvent*innen: Fundiertes Verständnis von Politik und Gesellschaft. Das wissenschaftliche und projektorientierte Studium fördert unsere Selbstständigkeit im Arbeiten, die Teamkompetenz. Dadurch, dass wir ein interdisziplinäres Konzept aus Philosophie, Politikwissenschaft und Sozialwissenschaften in den Pflichtmodulen mit einem vertieften Fokus auf die Herausforderungen des Anthropozäns haben, sind unsere Studieninhalte passend für viele Berufsfelder. Der Studiengang hat auch eine Form von Prüfungen, sog. „Vertiefungsarbeiten“, die uns einen eigenen wissenschaftlichen Fokus und der Hochschule, die unseren Studiengang anerkennt, einen Einblick in unsere Kompetenzen gewährt.
      c. Ich denke viele Studiengänge haben kein klares Berufsbild am Ende, sonst wären es Ausbildungen. Bei uns gibt es einfach nur mehr die Möglichkeit, mit zu gestalten.

      1. Jürgen

        Ich wünsche dir und euch alles Gute mit dem Projekt.
        Aber ganz überzeugt hast du mich noch nicht, gerade die Studiengänge Sozialwissenschaften, Philosophie und Politikwissenschaften sind eher im Verruf. Ich möchte hier eine ehemalige Arbeitskollegin zitieren, die Sozialwissenschaften studiert hat, auch nur bis zum Bachelor: „entweder mache ich das oder ich fahre Taxi mit meinem Studium“.

        Es sind Studiengänge wie deiner, die sehr abstrakt aufgebaut sind, wo man wenig greifen kann. So auch in deiner Antwort: man kann alles machen und dann viele, verzeih mir den Ausdruck, hohle Floskeln.

        Ich würde dir ja eine Schärfung des Konzepts empfehlen, leider beißt sich das natürlich wiederum mit selbigem.

        Für mich und mein Verständnis ist ein Studium Mittel zum Zweck, der Weg zum Ziel und dieser Ansatz müsste für mich noch deutlicher ausformuliert werden.

        Ich habe das Gefühl, hier wird der Weg als Ziel verstanden.

  3. kahalla

    Hallo Michael,

    ich habe mich schon lange nicht mehr bei euch gemeldet, finde aber das Projekt Selbstbestimmtes Studium sehr spannend.
    Ich habe von 1993 bis 1997 etwas ähnliches selbst organisiert.
    Ich nenne es ein Autodidaktikum. Ich habe mir damals sowohl die theoretischen, als auch alle praktischen Arbeitsfelder in einem kleinen Theater in Würzburg erarbeitet.
    Alle dort vorhandenen Gewerke genauso wie die Theorie, die „Führung“und Vorbereitung von Schauspielern, die schauspielerische Eigenbildung, Bühnenbildnerei und Sprechtheaterregie erlernt. Es hat Spaß gemacht und danach konnte ich auch einige eigene Inszenierungen dort erfolgreich umsetzen. Besonders gefallen hat mir dabei die Möglichkeit, eigene Fähigkeiten und Vorlieben mit einzubringen. Für eine entsprechende Ausbildungsumgebung im Bereich Philosophie (das war mein ursprüngliches Studienfach) kenne ich momentan keine geeignete Umgebung für ein erfolgreiches Selbststudium, wobei das universitäre Studium als Schulungsrahmen nur wenig effektiv ist. Auch dort war ein hohes Maß an Eigeninteresse und Eigeninitiative wichtig. Ein alternativer Campus erinnert mich doch sehr an die altgriechische Agora, wo man sich zur Diskussion der neusten gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen traf.
    Grundlagen hierfür wären eine reife, über das Behaupten und Verteidigen einer Meinung hinaus gehende Diskussionskultur, in der Meinungen nicht „herrschen“, sondern wohlwollend geprüft und weiter entwickelt werden können. Kurz – kooperatives anstatt kompetitives Lernen.

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