Wie Du Dein Leben wieder aktiver gestalten kannst

Gestaltest Du oder wirst Du getrieben?

Von Anne Semlin
25. Februar 2021

„Ich würde ja gern mehr Sport machen, aber ich habe keine Zeit dafür.“
„Wenn ich könnte, würde ich endlich eigenes Gemüse anbauen…“
„Wenn ich entscheiden würde, würden wir nicht mehr jede E-Mail ausdrucken, aber mein*e Chef*in …“
„Wenn ich nicht schon so viel zu tun hätte, würde ich ja politisch aktiv werden…“

Solche oder so ähnliche Sätze höre ich ständig in meinem Umfeld – und oft genug sage ich sie selbst. Diesen Artikel hier habe ich zum Beispiel auch einige Wochen vor mir hergeschoben, weil irgendwie immer andere Dinge wichtiger schienen. Dabei hätte ich mir die Zeit einfach nur nehmen und anfangen müssen. Warum habe ich das nicht gemacht? Da waren so viele andere Themen, die immer schneller in meinem Kalender waren, als ich gucken konnte. Kennst Du das auch?

Wir finden immer wieder viele Ausreden, um nicht aktiv zu werden, um nicht selbst die Welt zu gestalten, um nicht selbst die Verantwortung für das Leben zu übernehmen – wie es ist oder sein sollte. Und viele diese Ausreden glauben wir tatsächlich selbst.

Zeit haben, um aktiv zu sein, ist eine Entscheidung

Es ist nämlich keine unveränderliche Tatsache, ob man Zeit hat, um aktiv zu werden oder nicht. Es ist eine Entscheidung. Eine Entscheidung, die man treffen, die man sich vielleicht auch erarbeiten muss. Solche Entscheidungen fallen einem nicht in den Schoß. Aber man kann entscheiden. Man kann sich entscheiden, dass man nicht mehr nur reagieren, sondern agieren möchte. Und dass man das dann auch tut.

Ein schwarzer Wecker, der eine Zeit anzeigt, auf einem hellen Hintergrund. In der Früh schon aktiv werden ist eine Entscheidung!

Das Leben findet nicht einfach statt, es wird entschieden

Das Leben findet nicht einfach nur statt, wie ein Kinofilm oder eine Serie, die Du Dir teilnahmslos vom Sofa aus anschauen kannst. Du hast in Deinem Leben die Möglichkeit, jeden Tag aufs Neue Entscheidungen zu treffen, um Dein Leben und die Welt um Dich herum zu gestalten. Und von dieser Möglichkeit sollten wir alle mehr Gebrauch machen, finde ich. Denn wenn Du die Entscheidung nicht triffst, tut es ein anderer für Dich – und dann vielleicht gar nicht in Deinem Sinne. Dadurch verlierst Du Kontrolle, Zeit und Gestaltungsspielraum. Klar, man kann vielleicht nicht alles allein entscheiden, aber man kann zumindest mit-entscheiden und mit-gestalten.

Wie kann ich wieder mehr gestalten und aktiv werden?

Soviel zur Theorie. Das klingt ja alles ganz einleuchtend, aber wo genau jetzt anfangen, um etwas zu ändern? Ich habe doch noch immer so viel zu tun mit anderen Dingen, denkst Du Dir vielleicht. Deswegen hier ein paar Ideen, wie Du anfangen kannst, wieder mehr zu gestalten, statt getrieben zu werden – im Kleinen für Dich oder auch auf größerer Ebene in der Gesellschaft.

Setze Prioritäten

Um Dein Leben zu gestalten, hilft es, Dir darüber klar zu werden, was Dir wirklich wichtig ist, wofür Du Dich einsetzen möchtest, was Deine grundsätzlichen Werte sind, nach denen Du Dein Leben ausrichtest. Nimm Dir einen Moment Zeit und werde Dir klar darüber, was Dir tatsächlich am Herzen liegt. Überlege Dir: Wie wäre Dein Leben, wenn es schon genau so wäre, wie Du es Dir wünschst? Oder erinnere und notiere Dir einen Moment, ein Erlebnis, eine Stimmung, in der Du sehr erfüllt warst. Wenn Du ein Bild davon hast, was Dich glücklich macht und/oder weißt, nach welchen Werten Du leben möchtest, kannst Du im Alltag bewusst dementsprechende Entscheidungen treffen.

Mir hilft es, so etwas in meinem Notizbuch oder auf einem Zettel aufzuschreiben, den ich dann an einem gut sichtbaren Ort in meiner Wohnung aufhänge. Und wenn ich das Bild davon vor Augen habe, wie ich mir mein Leben wünsche, hilft es mir jedes Mal, mich wieder aufzurappeln, wenn ich mal wieder „keine Zeit“ habe, um aktiv etwas dafür zu tun, dass ich diesem Bild ein Stück näherkomme.  

Wie Du Dein Leben wieder aktiver gestalten kannst 1

Lerne, Nein zu sagen und halte Dich an Deine eigenen Regeln

Sich für eine Sache zu entscheiden, bedeutet zugleich, sich gegen hundert andere zu entscheiden. Unser Tag hat schließlich nur 24 Stunden, wir brauchen etwas Schlaf und können uns leider (oder: zum Glück!) noch nicht zweiteilen. Also müssen wir uns für das eine und gegen die vielen anderen Sachen entscheiden. Das kann schwerfallen, vor allem, wenn die anderen Dinge vielleicht auf den ersten Blick leichter erscheinen und zu einer schnelleren Befriedigung führen. Und da gibt es wirklich vieles, wenn man beispielsweise nur einen kurzen Blick auf sein Smartphone wirft und sofort in unzählige Apps „hineingezogen“ wird (Stichwort Reizüberflutung).

Aber auch, wenn möglicherweise ein*e Freund*in Dich ausgerechnet an dem Abend treffen möchte, an dem Du eigentlich ein neues Projekt beginnen willst, was Dir schon lange auf der Seele brennt. Statt dieses Projekt immer wieder weiter hinauszuschieben, kannst Du heute Deine*n Freund*in freundlich darum bitten, dass Ihr Euch ein andermal verabredet. Sie wird es sicher verstehen. Probier’s einfach mal aus, es lohnt sich. Denn am Ende kann man zufrieden sein mit dem, was man durch seine Entscheidung und durch sein Nein geschafft hat.

Nimm Dir Zeit und fange klein an

Oft ist es ja tatsächlich so, dass wir uns einfach eingezwängt fühlen zwischen Arbeit, Familie, Haushalt, Ehrenamt und Hobby. Wann soll man da bitte noch etwas verändern? Nimm Dir vielleicht einmal eine halbe Stunde Zeit und überlege Dir, wo Du vielleicht nur kleine Stellschrauben drehen kannst, um etwas Freiraum zu gewinnen. Und wenn das für den Anfang nur 5 Minuten am Tag sind.

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Vielleicht kannst Du jeden Morgen ein paar Minuten eher aufstehen, um eine Seite eines inspirierenden Buches zu lesen oder Yoga zu machen. Oder statt nach Feierabend auf der Couch zu liegen, könntest Du Dir vornehmen, in der Zeit etwas zu machen, was Dir wichtig ist, wie ein Handwerk oder eine neue Sprache zu lernen oder was auch immer Dir in den Sinn kommt. Und vielleicht kannst Du Dir ja auch vorstellen, statt 40 nur noch 35 Stunden pro Woche zu arbeiten oder sogar mal ein Sabbatical einzulegen?

Sei offen und verbinde Dich mit anderen

Das klingt leicht – und das ist es auch. Vielleicht hast Du ja in Deinem Umfeld Menschen, die Ähnliches vorhaben. Frag doch mal Deine Nachbar*innen, was sie gerade so umtreibt. Oder schließe Dich bei Veranstaltungen, die Dich interessieren, mit Menschen zusammen, die auch dort sind. Und dann macht was zusammen! Das ist viel motivierender, als allein etwas zu bewegen.

In Deiner Stadt soll eine weitere Grünfläche dem Bau eines neuen Konsumtempels zum Opfer fallen? Dann suche Dir Mitstreiter*innen und überlegt gemeinsam, wie Ihr Euch dafür einsetzen könnt, dieses Stück Natur zu erhalten.

Vier Menschen stehen nebeneinander auf einem Berg, die Arme umeinandergelegt und schauen in den Sonnenaufgang

Sag, was Dich stört

Das klingt eigentlich redundant, aber im Alltag tut man es oft doch nicht. Man lässt die Dinge einfach so geschehen und regt sich dann im Nachhinein bei seinen Freund*innen darüber auf, wie blöd eine Situation, eine Handlung oder ein Verhalten war. Wenn Dich etwas in Deinem Umfeld stört, sei es in Deiner Familie oder auf der Arbeit oder woanders, sprich es offen und freundlich an. So kannst Du gemeinsam mit Deinen Mitmenschen eine Lösung finden und Veränderung herbeiführen.

Frage doch mal im nächsten Meeting in Deinem Team, ob man sich darauf einigen könnte, dass nicht mehr jede Mail ausgedruckt wird – und wenn, dann auf Recyclingpapier.

Fang jetzt an!

Leg jetzt einfach los und fange an, Dinge anders zu machen. Denk‘ nicht noch ewig darüber nach, komm jetzt ins Tun!

Fazit

Es ist vielleicht nicht immer leicht, wieder aktiver zu werden, aber es ist in den meisten Fällen auch nicht unmöglich! Natürlich gibt es Lebenssituationen, in denen, aus welchen Gründen auch immer, einfach keine Kraft mehr übrig ist, um jetzt Veränderungen herbeizuführen. Und dann ist das auch nicht Deine Schuld – weil Du im Moment keine Entscheidungen treffen kannst, die Dich zur Gestalterin Deines Lebens machen. Vielleicht ist es auch nur gerade jetzt nicht möglich.  

Aber wenn Du die Möglichkeit hast, zu entscheiden und zu gestalten, dann lohnt es sich ungemein, die Fäden selbst in die Hand zu nehmen. Denn am Ende kannst (fast) nur Du selbst dafür sorgen, dass Dein Leben so ist, dass es Dich glücklich macht. Halte einfach die Augen offen und suche nach konkreten Möglichkeiten, in denen Du die Initiative ergreifen und mitgestalten kannst. Es gibt sie fast immer. Das Gefühl, Einfluss zu haben und die eigene Umgebung mitzugestalten ist einfach großartig! (Empfehlenswert finde ich in diesem Zusammenhang übrigens das Buch des Soziologen Hartmut Rosa „Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung“.)

Ich hoffe, dass Du Dich jetzt nach dem Lesen des Artikels motiviert fühlst, Dein Leben ein Stück mehr in die Hand zu nehmen und zu gestalten!

Erzähl‘ doch mal von Deinen Erfahrungen: Hast Du das Gefühl, dass Du Dein Leben gestaltest oder fühlst Du Dich eher getrieben? Was hat Dir bisher geholfen, um wieder eine aktivere Rolle einzunehmen und wieder mehr ins Machen zu kommen?

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